Leitfaden für Strafverteidiger

Die 48 Stunden vor dem ersten Anruf

Ein Beschuldigter sucht sich seinen Verteidiger nicht in Ruhe aus. Er entscheidet in zwei Tagen, unter Druck, und er kann Ihre Arbeit nicht beurteilen. Hier steht, was in diesen 48 Stunden passiert und mit welchen 12 Themen Sie darin vorkommen.

9 Minuten Lesezeit 12 Themen zum Abhaken 2 Videos zum Ansehen Ohne Anmeldung
Die Ausgangslage

Wer Sie anruft, kann nicht beurteilen, ob Sie gut sind

Für eine Waschmaschine gibt es einen Test. Für den, der jemanden aus der Untersuchungshaft holt, nicht.

Es existiert in Deutschland kein Portal, das Strafverteidiger nach objektiven Kriterien vergleicht. Keine Note, keine Tabelle, kein Ranking, das mehr wäre als eine bezahlte Platzierung. Ein Beschuldigter sucht sich also eine Leistung aus, deren Qualität er weder vorher noch hinterher sicher bewerten kann.

167.547
zugelassene Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte in Deutschland
4.102
davon Fachanwältinnen und Fachanwälte für Strafrecht
0
unabhängige Stellen, die diese 4.102 miteinander vergleichen

Weil er die Sache nicht prüfen kann, prüft er den Menschen. Das ist keine Oberflächlichkeit. Er sucht jemanden, dem er die ganze Wahrheit erzählen kann, auch den Teil, der ihn schlecht aussehen lässt. So jemanden wählt niemand nach Tabelle.

Die Frage ist also nicht, wie Sie beweisen, dass Sie besser sind. Nachprüfen kann er es sowieso nicht. Die Frage ist, ob er Sie kennt, bevor er Sie braucht.

Die Zeitachse

Was in diesen 48 Stunden wirklich passiert

Die vier Phasen laufen bei fast jedem Verfahren gleich ab, egal ob Durchsuchung, Vorladung oder Strafbefehl. Was sich ändert, ist das Tempo. Bei einer Festnahme schrumpfen 48 Stunden auf vier.

Stunde 0 bis 2

Der Schock

Was passiert
Die Polizei war da, der Brief ist offen, oder ein Angehöriger ruft an und sagt, er sitzt fest.
Was er tut
Er sucht am Handy, im Stehen, meistens allein. Er will noch keinen Anwalt, er will verstehen, was gerade mit ihm geschieht.
Was ihn erreicht
Kurze Videos, die genau seine Situation benennen. Nicht Beratung, sondern Einordnung. Wer hier vorkommt, ist später der erste Name, an den er sich erinnert.
Stunde 2 bis 12

Die stille Suche

Was passiert
Der erste Schreck lässt nach, die Angst vor den Folgen kommt. Arbeitsplatz, Führerschein, Aufenthaltstitel, Familie.
Was er tut
Er liest sich fest. Foren, Ratgeberseiten, Videos. Er fragt niemanden aus dem eigenen Umfeld, weil er sich schämt.
Was ihn erreicht
Inhalte, die den Ablauf erklären, statt Angst zu machen. Wer hier beruhigt, ohne zu verharmlosen, gewinnt das Vertrauen.
Stunde 12 bis 36

Der Vergleich

Was passiert
Jetzt erst sucht er einen Verteidiger. Und stellt fest, dass alle Kanzleiseiten dasselbe sagen.
Was er tut
Er öffnet drei bis fünf Seiten, überfliegt sie und sucht nach einem Unterschied. Findet er keinen, entscheidet die Nähe oder der Preis.
Was ihn erreicht
Alles, was einen Menschen zeigt statt einer Leistungsliste. Hier fällt die Entscheidung, und hier ist der Abstand zwischen Kanzleien am größten.
Stunde 36 bis 48

Die Entscheidung

Was passiert
Er ruft an oder schreibt. Oft abends, oft außerhalb der Bürozeiten.
Was er tut
Er prüft im Gespräch nur noch, ob der Eindruck stimmt, den er schon hatte. Fachlich kann er Sie nicht bewerten.
Was ihn erreicht
Nichts Neues mehr. Wer bis hierhin nicht vorkam, kommt nicht mehr vor. Deshalb entscheidet sich das Mandat in Phase 1 bis 3, nicht im Erstgespräch.
Seine Sprache

Was er eintippt, und was Sie schreiben

Ein Beschuldigter sucht nicht mit dem Begriff, unter dem Sie die Sache abgelegt haben. Er sucht mit dem, was ihm gerade passiert ist.

Das tippt er einDanach sucht er nicht
polizei war da wohnung durchsucht was jetzt
statt
Durchsuchungsbeschluss Rechtsmittel
brief von der staatsanwaltschaft beschuldigter
statt
Anhörungsbogen Beschuldigtenvernehmung
muss ich zur polizei wenn ich vorgeladen bin
statt
Erscheinenspflicht polizeiliche Vorladung
strafbefehl was passiert wenn ich nichts mache
statt
Einspruch Strafbefehl Fristberechnung
was kostet ein strafverteidiger wirklich
statt
Vergütungsvereinbarung Gebührenrahmen
mein sohn sitzt in untersuchungshaft
statt
Haftprüfung Haftbeschwerde

Die linke Spalte gehört in Ihre Video-Titel und in die erste Zeile Ihrer Beschreibung. Die rechte gehört in den Text, den Sie für Kollegen schreiben. Beides hat seinen Platz, nur nicht denselben.

Die Einordnung

Zwei Videos derselben Anwältin, und nur eines bringt Mandate

Reichweite und Mandate sind nicht dasselbe, und im Strafrecht gehen sie besonders weit auseinander. Beide Videos stammen aus einem Konto, das ich aufgebaut habe. Sie können sie hier direkt ansehen.

666.823
Aufrufe · Blitzer-App am Steuer
Große Reichweite

Daraus kam keine einzige Anfrage, die sie annehmen konnte. Wer das schaut, hat Feierabend.

11.305
Aufrufe · Strafbefehl im Briefkasten
Echte Mandate

Daraus kamen Mandate. Wer danach sucht, hat einen Brief in der Hand und eine Frist im Nacken.

Die Videos werden erst geladen, wenn Sie auf den Knopf drücken. Vorher geht keine Anfrage an Instagram und es werden keine Daten von Ihnen übertragen.

Der Unterschied ist nicht die Qualität des Videos. Der Unterschied ist, ob der Zuschauer gerade selbst betroffen ist.

Die erste Zahl steht in jeder Agentur-Präsentation. Die zweite zahlt die Miete.

Beide Sorten haben ihren Platz. Große Themen bringen Zulauf, damit die ruhigen Themen überhaupt jemand sieht. Wer aber nur das Erste macht, hat ein bekanntes Konto und einen leeren Kalender.

Der Selbsttest

Die 12 Themen, und welche Ihnen fehlen

Haken Sie an, was Sie öffentlich schon erklärt haben. Nicht, was Sie könnten, sondern was jemand heute finden würde.

0 / 12
Phase 1 · Der Schock
Phase 2 · Die stille Suche
Phase 3 · Der Vergleich
Phase 4 · Die Entscheidung

Haken Sie oben an, was Sie schon haben

Die Auswertung zeigt Ihnen, welche Phase bei Ihnen leer ist. Eine leere Phase heißt nicht, dass Sie schlecht arbeiten. Sie heißt, dass Sie in diesem Moment für den Beschuldigten nicht existieren.

    Diese Woche

    Drei Schritte, die nichts kosten

    1. Nehmen Sie die Phase, die im Test leer geblieben ist.Nicht die, in der Sie sich am sichersten fühlen. Die leere ist die, in der Ihre Mandanten gerade jemand anderen finden.
    2. Schreiben Sie die drei Fragen auf, die Sie diese Woche am Telefon beantwortet haben.Wörtlich, in der Sprache, in der sie gestellt wurden. Das sind Ihre nächsten drei Themen, und Sie kennen die Antworten längst.
    3. Nehmen Sie eine davon mit dem Handy auf, in einem Zug, ohne Skript.60 bis 90 Sekunden. Es muss nicht gut aussehen. Es muss von Ihnen sein.

    Wenn Sie danach merken, dass Ihnen nicht das Wissen fehlt, sondern der Freitagabend, an dem geschnitten wird, dann ist das die richtige Erkenntnis. Genau daran scheitert es bei fast allen.

    Den Leitfaden als PDF mitnehmen

    Zum Ausdrucken oder fürs Handy. Sinnvoll, wenn Sie die 12 Themen beim nächsten Aufnahmetermin danebenlegen wollen.

    Der Leitfaden kommt per E-Mail, meist innerhalb einer Minute. Ich verkaufe keine Adressen und gebe sie nicht weiter.

    Unterwegs zu Ihnen

    Der Leitfaden liegt gleich in Ihrem Postfach. Er kommt von kontakt@pavonis-media.de, falls Sie ihn suchen müssen.

    Wenn Sie zu einem der 12 Themen eine Frage haben, antworten Sie einfach auf die Mail. Die landet direkt bei mir.

    Wenn Sie wissen wollen, welche Themen bei Ihnen tragen

    Zwanzig Minuten, keine Präsentation. Sie erzählen mir, woher Ihre Mandate heute kommen, und ich sage Ihnen ehrlich, ob ich für Ihr Rechtsgebiet einen Ansatz sehe. Wenn nicht, sage ich Ihnen das genauso. Ich nehme nicht jede Kanzlei.

    Termin aussuchen
    Berkat Can Baran, PAVONIS. Ich baue Instagram-Konten für Kanzleien, von der Themenplanung bis zum Postfach.